Diesen Artikel habe ich für die Plattform GründerMütter verfasst. Im Text schreibe ich Selbstständige Mütter an, aber die Tipps funktionieren für alle Mamas im Alltag, egal ob du Selbstständig, Angestellt oder Vollzeit zu Hause tätig bist.
Viel Spaß beim Lesen!

Was, wenn man beides vereinbaren möchte: das eigene Kind liebevoll durch die Autonomiephase begleiten und parallel eine erfolgreiche Selbstständigkeit aufbauen?
Das geht! Aber vielleicht anders als ursprünglich gedacht. Erfahre in meinem Artikel welche drei inneren Ausrichtungen mir dabei helfen den Alltag und den Businessaufbau zu meistern ohne an mir zu (ver)zweifeln.
Als Nervensystem- und Embodimentcoach kenne ich die Tools und die neurobiologischen Abläufe. Macht diese Expertise den Alltag leichter? Ja, absolut. Aber sie schaltet die Realität nicht aus. Die intensiven Momente verschwinden nicht, nur weil man weiß was zu tun ist um das Nervensystem zu regulieren. Die Tage, an denen die Nacht kurz war und das Kind viel Nähe oder Aufmerksamkeit fordert, gehören dazu. Meine Fachkenntnisse helfen mir an solchen Tagen jedoch, frühzeitig gegenzusteuern, meine eigenen Belastungsgrenzen zu erkennen und in meiner Kraft zu bleiben, anstatt mich im Strudel aus Erschöpfung, Zweifeln und ToDos zu verlieren.
Erst neulich hat sich durch anhaltenden Schlafmangel dennoch so viel Druck angestaut, dass ich mir nach dem Wegbringen zur Tagesmutter erst einmal bewusst Zeit genommen habe, um den angestauten Stress körperlich zu entladen und mein eigenes System systematisch zu erden. Weinen gehörte dazu.
Warum ich dir das erzähle? Weil ich zeigen will, dass du als selbstständige Mutter nicht perfekt sein musst. Du bist keine schlechte Mutter und keine schlechte Unternehmerin, wenn es mal nicht so läuft, wie du es dir vorgenommen oder vorgestellt hast. Am Ende sind wir alle Menschen und nur endlich belastbar.
1) Die innere Haltung: Wohlwollen als Ressource
Es ist kein Weltuntergang, wenn der Haushalt mal liegen bleibt oder ein Social Media Post erst zwei Tage später online geht. Was jedoch Energie kostet und nicht hilft, ist, wenn du dich gedanklich für diese unvollendeten Aufgaben verurteilst. Das gleiche gilt, wenn du den eigenen Anforderungen als Mutter nicht gerecht wirst. Sätze wie diese sind dann Selbstläufer im Kopf: „Jetzt habe ich wieder nicht geschafft was ich machen wollte.“ „Ich bin schon wieder so vergesslich.“ „Ich verbringe nicht genug Zeit mit meinem Kind.“ „Ich bin keine gute Mutter.“
Diese Reaktionen haben eins zur Folge: Der Stress steigt und wir werden weniger funktionsfähig, aber immer gereizter und angespannter.
Eine hilfreichere, nervensystemfreundliche innere Haltung dir selber gegenüber ist wohlwollend und verständnisvoll. Wenn der Druck steigt, hilft ein kurzes, bewusstes Innehalten und das kognitive Anerkennen der Situation.
DEINE ÜBUNG FÜR DEN ALLTAG: DER NEUROBIOLOGISCHE RESET
Wenn du merkst, dass die innere Stimme fordernd oder tadelnd wird, unterbrich die aktuelle Tätigkeit für 30 Sekunden:
Lege eine Hand flach auf dein Herz und die andere auf deinen Bauch.
Atme tief durch die Nase ein und lange durch den Mund aus. Das Ausatmen sollte dabei doppelt so lange dauern wie das Einatmen.
Spüre den physischen Druck deiner Hände. Dieses kurze Innehalten gibt deinem Gehirn ein direktes Signal von Sicherheit und nimmt die akute Stressspitze aus dem System.
Jetzt sage zu dir selbst: „Ich sehe, dass da gerade viel Druck ist. Und ich habe Verständnis dafür, dass ich überfordert bin. Es ist ok.“ Atme.
2) Radikale Flexibilität: Ressourcenorientiertes Zeitmanagement
Kinder in der Trotzphase fordern viel Flexibilität von uns. Ein wachsendes Business ebenfalls. Wenn wir in einer Soloselbstständigkeit starr an Konzepten festhalten oder den Zeitplan nach einer unruhigen Nacht nicht flexibel anpassen, machen wir uns das Leben unnötig schwer.
Flexibilität bedeutet in diesem Kontext nicht Planlosigkeit oder Chaos. Sie bedeutet, deine Erwartungen an einen Arbeitstag strategisch zu verschieben und einzusehen, dass Beziehungsarbeit im Alltag manchmal die wichtigste Business Investition ist. Wenn dein Kind oder du selber dysreguliert bist, bringt es nichts, starr ToDo Listen abzuarbeiten oder den Anspruch auf einen perfekt geplanten und pädagogisch korrekten Nachmittag aufrecht zu erhalten.
EIN PRAXISBEISPIEL AUS MEINEM ALLTAG
Erst vor Kurzem erlebte ich so eine Phase mit meiner Tochter: Auf fast jeden meiner Impulse folgte ein lautes „Nein“. Weil ich selbst durch meine aktuellen Business Aufgaben erschöpft war, spürte ich, wie meine eigene Ungeduld stieg. Ich reagierte ebenfalls einschränkend oft mit einem „Nein“ und war genervt. Ein klassischer Spiegelungseffekt zweier dysregulierter Nervensysteme.
Am nächsten Tag war meine Tochter wie geplant zu Besuch bei meinen Eltern. Anstatt mich weiter meinen Business Aufgaben zu widmen, nutzte ich die Flexibilität meiner Selbstständigkeit für einen bewussten Perspektivwechsel. Ich nahm mir Zeit zur Reflexion, beschäftigte mich mit meinen inneren Prozessen und mit den Eigenheiten der Autonomiephase (im Englischen so treffend „terrible twos“ genannt). Mit diesen neuen Einsichten konnte ich meine Haltung wieder weicher gestalten und meiner Tochter beim nächsten Wiedersehen wieder mit der nötigen Ruhe und Gelassenheit begegnen.
3) Intuition und das Jetzt: Arbeiten im Flow
Pläne um jeden Preis und gegen den eigenen körperlichen Zustand durchsetzen zu wollen, kostet enorm viel Energie. Natürlich müssen wir nicht direkt alle Termine oder Erledigungen absagen wenn wir uns nicht gut fühlen. Aber wir können nach Möglichkeit, Entscheidungen aus dem Jetzt heraus treffen und unser Handeln an unsere momentanen Bedürfnisse des Körpers anpassen.
Wenn du am Schreibtisch sitzt, um einen Text zu schreiben, aber die Worte einfach nicht fließen wollen: Hör auf, Zeit mit Frustration zu vergeuden! Tu in dem Moment etwas anderes, etwas das dich gerade inspiriert. Und damit meine ich nicht Dinge aufzuschieben oder unerledigt zu lassen. Was ich damit meine ist, den körperlichen Impulsen zu folgen, so dass wir mit uns selber arbeiten und nicht gegen uns. Die Inspiration für die Texte wird auch noch kommen, zu ihrer Zeit.
Das Gleiche gilt für den Haushalt. Wenn du absolut keine Energie und Lust zum Putzen hast, dann mache nur das mindeste was sich stimmig anfühlt oder lass den Lappen und den Staubsauger liegen. Vertraue darauf, dass der Moment kommen wird, an dem du voller Tatendrang aufräumst und im Handumdrehen fertig bist, statt dich lustlos und ineffizient durch die Wohnung zu quälen. Das könnte schon am nächsten Tag sein!
Arbeite mit dir und dem, was gerade da ist. Wenn du im richtigen Flow bist, erledigst du alles um ein Vielfaches effizienter. So arbeitest du systematisch mit deinen vorhandenen Ressourcen und nicht gegen sie.
EINE ÜBUNG DAZU
Lege wie bei der ersten Übung eine Hand aufs Herz und eine auf den Bauch.
Atme kurz ein und lange aus.
Jetzt spüre in deinen Körper und nehme einfach nur wahr für einen Moment.
Wenn du jetzt in deinen Körper fühlst, mit einer Frage im Kopf: Was brauche ich gerade? Oder: Worauf habe ich jetzt Lust? Dann kommt meistens auch eine Antwort – eine leise Stimme oder einfach ein Wissen, tief aus deinem Inneren.

Der neurobiologische Hintergrund: Warum Sicherheit der Schlüssel ist
Aus der Perspektive der Polyvagalen Theorie und der Nervensystemregulation haben all diese Punkte ein gemeinsames Ziel: Sie helfen deinem Körper, aus dem biologischen Überlebensmodus auszusteigen und Sicherheit im System herzustellen.
Wenn unsere innere Haltung fordernd, tadelnd oder starr ist, dann kämpfen wir gegen unseren Körper. Unser Gehirn interpretiert das als Bedrohung. Die Konsequenz?
Das Nervensystem ist im Fight & Flight. Wie sich das zeigt:
Körperlich: Der Herzschlag beschleunigt sich, die Muskeln spannen sich an, die Atmung wird flach.
Mental: Der präfrontale Kortex, der Teil des Gehirns, der für logisches Denken, Kreativität und Empathie zuständig ist, wird heruntergefahren. Du kannst nicht mehr klar denken.
Verhalten: Du gehst in den Kampf (Ungeduld mit dem Kind, Frustration über das Business) oder in die Flucht (Prokrastination, innere Resignation, Erschöpfung).
Erst wenn wir durch wohlwollende Selbstgespräche, Flexibilität und das Akzeptieren des aktuellen Moments den Druck herausnehmen, signalisieren wir unserem Körper Sicherheit. Wir aktivieren den ventralen Vagusnerv (den Zustand sozialer Verbundenheit und Entspannung). Erst in diesem regulierten Zustand erlangst du deine volle Handlungsfähigkeit, deine Kreativität und deine Gelassenheit als Unternehmerin und als Mutter zurück.